Regeln, Daten und Verantwortung5 Min. Lesezeit · Stand: 2026-10-18

ChatGPT, Claude und Copilot: Datenschutz für Schweizer KMU

Welche Daten darf Ihr Team mit KI bearbeiten? Entscheidend sind der konkrete Dienst, seine Einstellungen, Verträge und Ihr Einsatzzweck.

PP
Redaktion: Peak Pioneers
Praktische Orientierung mit weiterführenden Quellen
Über Peak Pioneers

Auf einen Blick

  • Geben Sie eine konkrete Aufgabe mit bestimmten Daten, Konten und Funktionen frei – keinen Anbieternamen pauschal.
  • Ein ausgeschaltetes Modelltraining beantwortet noch nicht, wie lange Inhalte gespeichert werden oder wer darauf zugreifen kann.
  • Halten Sie erlaubte Nutzung, offene Nachweise und Zuständigkeit in einem kurzen Freigabeeintrag fest.

Ausgefülltes Beispiel: Offertentext überarbeiten

Fiktiver interner Eintrag vom 18. Oktober 2026; die Entscheidung gilt nur für dieses Beispiel.

Aufgabe und Ausgangsdaten
Der Verkauf will einen Offertentext verständlicher formulieren. Die Originaldatei enthält Namen, E-Mail-Adresse, kundenspezifische Preise und interne Margen.
Input für den ersten Test
Eigens erstellter Text: «Wir bieten zwei Einführungstermine für Produkt A an. Die Termine vereinbaren wir nach Auftragserteilung.» Auftrag an die KI: kürzer formulieren, keine Leistungen ergänzen. Die Originaldatei wird nicht hochgeladen.
Konto und Funktionen
Vorgesehen: ChatGPT Business im Unternehmensarbeitsbereich, nur Texteingabe; keine verbundenen Apps und keine Websuche für diesen Test. IT bestätigt das verwendete Konto und die verfügbaren Funktionen vor Beginn.
Offene Nachweise
Für echte Offerten fehlen noch die dokumentierte Prüfung der Vertragsgrundlage, der Bearbeitungsorte, der Aufbewahrung und der Zugriffe. Zuständig: IT und die intern für Datenschutz verantwortliche Person.
Entscheidung und Ergebnisablage
Verkaufsleitung erlaubt nur den Test mit dem erfundenen Text nach Kontobestätigung. Echte Kundenofferten bleiben zurückgestellt. Der Verkauf prüft den Entwurf und speichert nur die freigegebene Formulierung in der internen Textvorlage. Erneute Entscheidung nach Klärung der offenen Punkte.

Welche Daten braucht die Aufgabe tatsächlich?

Für eine sprachliche Überarbeitung braucht die KI oft nur einen Textausschnitt. Name, E-Mail-Adresse, Kundennummer und interne Kalkulation sind dafür meist unnötig. Prüfen Sie zuerst, was Sie weglassen oder durch eigens erfundene Angaben ersetzen können.

  • Öffentliche Inhalte: beispielsweise ein publizierter Produkttext. Damit lässt sich die Qualität eines Entwurfs testen, ohne eine Kundenakte hochzuladen.
  • Vertrauliche Geschäftsdaten: beispielsweise Einkaufspreise oder Vertragsentwürfe. Klären Sie intern, ob der konkrete Dienst diese Inhalte bearbeiten darf – auch wenn keine Person genannt wird.
  • Personendaten: beispielsweise Kontaktdaten, Bewerbungen oder Gesprächsnotizen. Klären Sie Zweck, erforderliche Angaben und die datenschutzrechtlichen Voraussetzungen vor dem Einsatz.

ChatGPT, Claude und Copilot: welches Konto, welche Funktion?

Notieren Sie den genauen Dienst und Tarif sowie das angemeldete Konto. Die folgenden Herstellerangaben helfen bei der Einordnung; sie sind keine Freigabe für Ihren Anwendungsfall.

  • ChatGPT: Prüfen Sie, ob die Arbeit im vorgesehenen Unternehmensarbeitsbereich stattfindet. OpenAI beschreibt für Business, Enterprise und Edu standardmässig kein Training mit Geschäftsdaten. Erfassen Sie zusätzlich, welche Dateien und verbundenen Apps die verwendete Funktion erreichen kann und welche Aufbewahrung gilt.
  • Claude: Unterscheiden Sie das konkrete kommerzielle Angebot von einem persönlichen Konto. Anthropic verwendet Eingaben und Ausgaben kommerzieller Produkte standardmässig nicht zum Training; ausdrücklich eingereichtes Feedback oder eine erlaubte Datennutzung können Ausnahmen bilden. Nehmen Sie deshalb auch die Feedbackfunktion in Ihre Regelung auf.
  • Copilot: Halten Sie fest, welches Copilot-Angebot mit welchem Organisationskonto verwendet wird. Für Copilot in Microsoft 365 beschreibt Microsoft sowohl den Ausschluss von Modelltraining mit Organisationsdaten als auch die Speicherung von Interaktionen. Prüfen Sie bestehende Dokumentberechtigungen sowie Websuche und zusätzliche Agenten gesondert.

Vier getrennte Fragen zum Datenfluss

Zeichnen Sie den tatsächlichen Weg auf: Texteingabe oder Datei → KI-Dienst → gegebenenfalls verbundene Anwendung → Ablage der Antwort. Beziehen Sie auch ausgegebene Zusammenfassungen ein: Sie können vertrauliche Angaben aus der Eingabe enthalten.

  • Training: Dürfen Inhalte zur Modellverbesserung verwendet werden, auch über Feedback oder freiwillige Freigaben?
  • Speicherung: Was bleibt im Chat, als Datei oder in Protokollen erhalten? Welche Fristen und Löschmöglichkeiten gelten?
  • Zugriff: Welche Mitarbeitenden, Administratoren oder Anbieterstellen können die Inhalte sehen?
  • Weitergabe: Erhält ein zusätzlicher Dienst Daten, etwa über eine Verbindung oder Websuche? Welche Bedingungen gelten dort?

Arbeitsblatt für Ihre eigene Entscheidung

Übernehmen Sie den Aufbau des Beispiels für eine einzige Aufgabe. Ersetzen Sie Vermutungen durch einen Link zum Vertrag, zur Herstellerdokumentation oder zur intern bestätigten Einstellung. Dokumentieren Sie unbekannte Angaben ausdrücklich als offen.

  • Aufgabe und Daten: gewünschtes Ergebnis, notwendige Inhalte und ausgeschlossene Daten.
  • Konto und Funktionen: Dienst, Tarif, Arbeitsbereich, zugelassene Nutzer und aktivierte Verbindungen.
  • Nachweise: Vertragsgrundlage einschliesslich Auftragsbearbeitung, Empfänger und Bearbeitungsorte, Training, Aufbewahrung, Löschung und Zugriffe; jeweils mit Prüfdatum.
  • Entscheidung: erlaubt, unter genannten Bedingungen erlaubt oder bis zur Klärung zurückgestellt; dazu verantwortliche Person und nächster Anlass für eine erneute Prüfung.

Was die Freigabe im Alltag auslösen sollte

Machen Sie aus der Entscheidung eine kurze Teamregel: welches Konto, welche Inhalte, welche Funktionen und wer bei einer Abweichung gefragt wird. Prüfen Sie einen Beispieldurchlauf mit genau diesem Konto. Eine zusätzliche Verbindung, neue Datenart oder andere Ablage der Antworten ist Anlass, den Eintrag erneut anzusehen.

Lassen Sie Antworten vor der Weitergabe fachlich kontrollieren. Eine datenschutzrechtlich geklärte Nutzung sagt noch nichts darüber aus, ob eine Offerte vollständig ist oder die KI Zahlen richtig übernommen hat.

Was das Schweizer DSG dazu bedeutet

Das Schweizer Datenschutzgesetz gilt auch für KI-gestützte Bearbeitung von Personendaten. Der EDÖB betont unter anderem Transparenz und verlangt bei hohem Risiko eine Datenschutz-Folgenabschätzung. Ein Tarifname oder ein Schweizer Server allein beantwortet diese Anforderungen nicht.

Wenn echte Personendaten vorgesehen sind, lassen Sie offene Fragen zu Zweck, Information der betroffenen Personen, Bearbeitungsorten und allfälligen Geheimhaltungspflichten durch die dafür zuständige Stelle klären. Der ausgefüllte Eintrag macht diese Abklärung konkret; er ersetzt sie nicht.

Fragen zu diesem Thema

Sind Daten ohne Namen automatisch anonym?

Nein. Auch Kombinationen aus Funktion, Standort, Datum oder einem seltenen Vorgang können eine Person erkennbar machen. Entfernen Sie nicht nur Namen, sondern beurteilen Sie den verbleibenden Inhalt und dessen Kontext. Eigens erstellte Beispiele vermeiden viele dieser Schwierigkeiten.

Ist ein Schweizer Server allein ausreichend?

Der Standort ist nur ein Teil der Prüfung. Auch Zweck, Zugriffe, beteiligte Dienstleister, Verträge und die konkrete Verarbeitung zählen. Eine lokale Speicherung schliesst beispielsweise einen externen Modellaufruf oder Supportzugriff nicht automatisch aus.

Quellen und fachlicher Hintergrund

Die Quellen erläutern die fachlichen Grundlagen. Unsere Empfehlungen sind praktische Orientierung und keine Zusage eines bestimmten Projektergebnisses. Stand der redaktionellen Prüfung: 18. Oktober 2026.

Einen konkreten KI-Einsatz besprechen

Beschreiben Sie die Aufgabe, den vorgesehenen Dienst und die Datenarten. Für das erste Gespräch genügt eine Beschreibung ohne echte Kunden- oder Personaldaten.

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